Schmeckt-LogoLebensmittelpreise

Ich habe gerade (23.10.2007) einen frischen Wirsing im Einkaufswagen, da höre ich an der Kasse: Es wird alles teurer. Nun, der 1,634 kg schwere Wirsing kostet mich 1,08 €. Das Kilo 66 Cent. Obst und Gemüse, so war vor ein paar Tagen in den Nachrichten zu hören, ist billiger als im Jahr 2006.

Jetzt, im Juli 2008 sind die Preise für Milch und Milchprodukte gegenüber dem Jahresende 2007 wieder ein ganzes Stück geringer. Mittelalten Gouda gibt es diese Woche für 6,90 das Kilo. Rollbraten vom Schweinerücken für 5,29. Möhren kosten 69 Cent das Kilo, Spitzkohl 39 Cent, Schlangengurken 29 Cent das Stück.

Jetzt, im Februar 2009, höre ich einen Mann an der Kasse meckern, dass alles so teuer sei. Paprika (rot, gelb, grün) kosten regulär - ohne Sonderangebot - im Supermarkt 2,99. Paprika-Mix ist gerade (22.Februar) wieder im Sonderangebot: Kilopreis 1,98. Und das im Februar. Im letzten Winter kosteten sie 4,99 €, wenn ich mich recht erinnere. ESL-Milch kostet im Supermarkt 45 Cent. Derweil melden die Nachrichten, z.B. Wirtschaft online, dass die Preise sinken. Das kann aber eine so fest sitzende Auffassung kaum erschüttern.

Schauen wir also mal ein wenig genauer hin.

Preiswert kochen ist ja nun wirklich kein Problem. Aber man sollte auch darüber nachdenken, was einem Nahrungsmittel wert sind. Zum dritten entpuppt sich bei genauerem Hinsehen das seit Jahrzehnten kolportierte Gerücht, die Lebensmittel würden immer teurer als ein Märchen. Ein dummerweise sehr beliebtes Märchen. Um diesem Märchen entgegenzutreten, führe ich eine Liste mit Lebensmittelpreisen, die häufig aktualisiert wird und Bestandteil des Kochbuchs ist.

Preiswert kochen

Zum einen kann man problemlos sehr preiswert kochen. Die Koch-CD erleichtert es Ihnen in mehrfacher Hinsicht, kostengünstige Rezepte herauszufinden. Sie können bei der Rezeptsuche eingeben, wie viel ein Gericht pro Person höchstens kosten darf. Sie haben aber auch die Möglichkeit, sich anzeigen zu lassen, für wie wenig Geld Sie diese Zutat in Deutschland in guter Qualität bekommen können und wie viel Sie für diese Zutat höchstens ausgeben sollten.

Aber auch durch die Möglichkeit, sich Rezepte zu bestimmten Zutaten heraussuchen zu lassen, können Sie bares Geld sparen. Kaufen Sie einfach preiswerte Zutaten aus dem momentanen Angebot und schauen Sie dann zu Hause in Schmeckt nach, was Sie damit kochen können. Noch besser, wenn Sie aus Zeitung oder Werbung in Ihrem Briefkasten schon wissen, was gerade billig zu bekommen ist. Dann schauen Sie erst nach, welche Rezepte Sie dazu finden, wählen eins aus und drucken das Rezept aus - dort finden Sie auch die benötigten Einkaufsmengen.

Was sind  mir Nahrungsmittel wert?

Ich erinnere mich an eine Äußerung von Alfons Schubeck in Kerner Freitags-Koch-Sendung (heute: "Lanz kocht"), wo er den Motorölpreis mit dem Preis für Olivenöl verglich. Warum muss ein Liter Öl zum Kochen nur einen Bruchteil von dem kosten, was für einen Liter Motoröl ausgegeben wird? Selbst Motoröl aus dem Baumarkt ist wesentlich teurer als ein gutes Olivenöl. Der Geschmack von Salaten hängt entscheidend davon ab, ob Sie bereit sind, auch einmal ein gutes Nussöl oder ein auch nach Distelöl schmeckendes Distelöl zu verwenden. Salatöle kaufe ich nur im Bioladen - nicht wegen der Gesundheit, sondern weil ich da einigermaßen sicher sein kann, Öle zu bekommen, bei denen zu schmecken ist, aus was sie hergestellt wurden.

Der Preis ist mir da relativ egal - lieber gebe ich  10, 20 oder auch 30 Cent pro Person mehr für das Walnussöl aus und nehme  frische, preiswerte Salatzutaten der Saison.

So teuer ist das alles auch gar nicht: Januar 2008 hat meine Frau Nachschub mitgebracht aus dem Bioladen: 5 Liter griechisches, kaltgepresstes Olivenöl aus erster Pressung für 25 Euro. Von biologisch angebauten Oliven.

Das führt zur Frage:

Was kosten Lebensmittel wirklich?

Wenn man ein wenig genauer hinschaut, kann man wirklich nicht behaupten, "alles" sei teurer geworden. Schon gar nicht Lebensmittel. Das zu behaupten, ist schlicht purer Unsinn. Fast möchte ich sagen, dummes Geschwätz:

Gemessen an der Arbeitszeit sind Lebensmittel in den letzen Jahren und Jahrzehnten immer billiger geworden. 1970 musste ein durchschnittlicher Arbeitnehmen noch 96 Minuten für ein Kilo Schweinekotelett arbeiten, 2005 nur noch 21 Minuten. Inzwischen 23 Minuten.

1970 musste ein Arbeitnehmer 22 Minuten für 10 Eier arbeiten, 2004 nur noch 4 Minuten. 

Selbst Kabeljau, einer der am meisten bedrohten Fischarten, ist kaum teurer geworden. 1960 kostete er 56 Lohnminuten das Kilo, heute 1 Stunde und 1 Minute, 4 Minuten mehr als 1991.

Vor der Finanzkrise gab es die Tendenz, dass die Preise anzogen, weil der Ölpreis dreimal so hoch war wie heute. Schade - regionale Vermarktung fördert der niedrige Ölpreis nicht. Vielleicht führt das aber erst mal dazu, dass die Idiotie, Getreide in den Tank zu packen weniger attraktiv wird: Wer 50 Liter Dieses tankt, verfährt damit 10 Brote, weil darin 5% Biodiesel stecken.

Weitere Informationen zu den Hintergründen von Nahrungsmittelpreisen: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27774/1.html

Selbst wenn die Preise für Grundnahrungsmittel ansteigen - uns trifft das kaum. Zum Einen geben wir durchschnittlich nur 10% unseres Einkommens für Lebensmittel aus. Zum anderen macht der Getreidepreis nur einen Bruchteil dessen aus, was Brot oder Brötchen kosten.

Einer der größten Brocken im Budget des normalen Haushalts sind neben Miete und Mietnebenkosten die Kosten für Verkehr. Solange allein durch die Fahrweise beim Autofahren noch 25% des Treibstoffs einzusparen sind, solange der Wechsel des Stromversorgers noch die Ausnahme ist, ist das Gejammer über angeblich oder tatsächlich gestiegene Lebensmittelpreise nicht wirklich ernst zu nehmen.