Schmeckt-LogoESL-Milch oder Frischmilch?

Was ist ESL-Milch?

008932

Frisch? Nein, nur
besonders teure
jetzt endlich
gekennzeichnete
ESL-Milch.

ESL-Milch ist länger haltbare Milch. Traditionell pasteurisierte Milch wird auf 72° erhitzt und ist nur eine Woche haltbar. ESL-Milch hält wesentlich länger. Um sie herzustellen, gibt es zwei Verfahren, die Mikrofiltration und die Hocherhitzung.

Bei der Hocherhitzung wird die Milch auf 127° erhitzt. Zum Vergleich: H-Milch wird auf 135° erhitzt. Dadurch, dass der Milchzucker dabei karamellisiert, entsteht der deutliche Dosenmilch-Geschmack. Manche sollen ihn ja mögen ...

Bei der Mikrofiltration wird zunächst Rahm und Milch getrennt, der Rahm hocherhitzt und die Keime in der Milch mit Hilfe von Mikrofiltern ausgefiltert, anschließend wird sie bei den üblichen 72 - 75° pasteurisiert und mit dem Rahm wieder zusammengefügt. Auch die Mikrofiltration verändert die Milch - hier ist der Geschmack aber nicht so deutlich und nicht nur vom Verfahren, sondern der konkreten Firma abhängig. Vitamine verliert die ESL-Milch bei der Produktion nicht viel mehr als traditionelle Milch, aber beim Lagern werden sie schneller abgebaut als bei frischer Milch - nur dass sie ja "länger haltbar" ist. Währenddessen verliert sie kontinuierlich weiter an Vitaminen. Von Frische kann dann keine Rede mehr sein.

Beide Verfahren sind natürlich aufwändig und energieintensiv.

008926

Frische Landmilch?
Nein, inzwischen
endlich gekenn-
zeichnete ESL-Milch.

ESL-Milch: Verbrauchertäuschung

Erinnern wir uns: Spätestens seit dem Herbst 2008 verschwand die Frischmilch klammheimlich aus den Regalen. Lediglich die Aufschrift  "Länger frisch" oder ähnlich bietet einen schmalen Hinweis. Aber nicht immer: "Frische Alpenmilch" von Weihenstephan z.B. (wen wundert's, gehört sie doch zu Müller-Milch) ist ESL-Milch, allein erkennbar am längeren Haltbarkeitsdatum.

Bundesweit bieten seitdem Aldi, Lidl, Penny, K+K und Plus keine Frischmilch mehr an, sondern ausschließlich ESL-Milch. Wohl kaum wegen der KundInnen, sondern wegen der Logistik.

Zumindest REWE ist nachgezogen - als Frischmilch gab es ebenfalls seit dem Herbst nur noch die überteuerte Biomilch, sozusagen eine Verdoppelung des Preises für Frischmilch. Auch das nur nach schriftlichem Protest beim Inhaber und mündlichem im Laden.

Davon erfuhren die KundInnen nichts - da stand dann vielleicht "länger haltbar" drauf. Ach schön, hab ich mir gedacht. Nur dass die Milch nicht mehr schmeckte, und ich wusste nicht warum. Ein nettes Beispiel auch die nebenstehende Landliebe "frische Landmilch". Der "natürliche" Fettgehalt suggeriert Natur, Echtheit - falsch, Hochtechnologie. Nein, frisch ist sie nicht, sondern länger haltbar. Inzwischen soll sie tatsächlich gekennzeichnet sein.

In den seltensten Fällen ist auf der Packung das Verfahren angegeben, mit dem die längere Haltbarkeit erreicht wird.

008934

Immerhin als ESL-
milch erkennbar.
Mikrofiltrations-
Verfahren.

Die aktuelle Lage - es gibt wieder Frischmilch

Die Lage hat sich etwas entspannt. Zumindest führt der örtliche REWE seit ungefähr September 2009 wieder normale frische Milch. Sie ist 10 Cent teurer zugunsten eines faireren Preises für die Bauern, aber das zahlen wir Verbraucher ja gern. Es gibt also zur teuren Biomilch inzwischen eine preiswertere Alternative. Die mir in einem ersten Selbst-Test sogar besser schmeckt als die Bio-Milch. Erfreulich.

Vielleicht auch nicht ganz untypisch: Beim scheinbar eher südlich orientierten TeGut fanden wir mehrere Sorten Frischmilch, Bio und Normal, und auch Frischmilch, bei der die Bauern einen besseren Preis bekommen sollen.

Einen Erfolg hatte der Protest auch noch: Mein örtlicher REWE hat die verschiedenen Milchsorten gekennzeichnet und das Verfahren an die Regale geschrieben. Gut wenn ein Händler reagiert und die Versäumnisse bzw. Täuschungsversuche der Milchindustrie korrigiert.

Im Artikel Neue Etiketten für die ESL-Milch meldet die taz am 4.2.2009 (Seite 8), dass das Bundesverbraucherministerium eine Vereinbarung mit dem Milchindustrieverband und dem Hauptverband des Deutschen Einzelhandels geschlossen habe, nach der ESL-Milch mit dem Zusatz "länger haltbar" und die bisherige Milch das Etikett "traditionell hergestellt" bekommen sollen.

Wieweit die Selbstverpflichtung der Industrie eingehalten wird, bleibt abzuwarten.

Bewertung

008931

Frische Milch -
Bioladen. Nicht
homogenisiert.

Geschmack

Nach der Zeitschrift Ökotest schmeckt zumindest die mit dem Tiefenfiltrations-Verfahren hergestellte länger haltbare Milch nicht schlechter als Frischmilch. Ich bleibe skeptisch - aber dazu wäre ein größerer Test erforderlich. Es kann ja tatsächlich sein, dass sogar manche Frischmilch kartonartig schmeckt, oder leichten Kochgeschmack hat, der nicht vom Verfahren kommt. Bisher hat mir noch jede ESL-Milch schlechter geschmeckt.

Ökologisch fragwürdig

Die Produktion von ESL-Milch verbraucht mehr Energie. Sie verdrängt kleine, ortsnahe Molkereien. Da sie länger haltbar ist, kann die Milch weiter transportiert werden. Durch das Aussterben kleiner Molkereien werden ebenfalls die Transportwege verlängert.

Unter diesen Bedingungen wird es für die Lebensmittelketten dann wiederum auch ökologisch zwiespältig: Weil die Transportwege so lang geworden sind, können sie sich auch aus ökologischen Gründen nicht täglich beliefern lassen.

Immer noch: Verbrauchertäuschung

In Österreich darf nur Milch Frischmilch heißen, die nicht länger als 5 Tage haltbar ist. In Deutschland heißt sie auch mit 4 Wochen "Haltbarkeit" noch "frische Milch". Die meisten VerbraucherInnen wissen nichts vom Unterschied und Vitaminverlust.

Sie benötigen die längere Haltbarkeit auch meistens nicht: Die meiste Milch wird innerhalb von 2-3 Tagen verbraucht.

Weitere Informationen

Wikipedia braucht nicht eigens genannt zu werden, hier noch zwei ältere Artikel von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Milchwirtschaft:

Vor- und Nachteile der ESL-Milch

Zum Vitamingehalt von ESL-Milch

Die Hinweise habe ich über den Deutschlandfunk hier gefunden.