Schmeckt-LogoDer Kampf um die Frischmilch

Frischmilch in Marl - Januar 2009

008930

Bio = frisch?
Nein - nicht
gekennzeichnete
ESL-Milch.
Hocherhitzt.

Bei K+K wird "frischgold Frische Vollmilch angeboten", sie hat keine Aufschrift "länger haltbar", war aber beim Einkauf am 14.01.2009 bis zum 31.01.2009 haltbar. Es handelt sich also um um nicht gekennzeichnete ESL-Milch.

Kaufland (Marler Stern) bietet eine Vollmilch unter dem Namen K-classic an, die bei meinem Einkauf am 14.01.2009 bis zum 24.1.2009 haltbar war. Der Kochgeschmack ist da, aber nicht ganz so deutlich wie bei der Bubi-Milch von Rewe, aber dafür schmeckt sie wässrig.  Beim zu alten, von November 2007 stammenden Test der Stiftung Warentest  hat sie die Note mangelhaft bekommen. Ob es ESL-Milch ist oder nicht, ist noch unklar.

Plus BioBio Frische Vollmilch (99 Cent) ist nicht als hocherhitzt oder länger haltbar gekennzeichnet - die Haltbarkeit betrug aber genau 10 Tage vom Einkaufsdatum (16.01.2009) an gerechnet. Auch hier der typische Kochgeschmack. Laut Ökotest (Jahrbuch Essen, Trinken & Genießen 2009, Seite 125) ist sie ebenfalls hocherhitzt.

Im Bioladen (NaturMarkt Martin Korthaus, Schillerstr. 80) bekommt man tatsächlich frische Bio Vollmilch, die auch noch richtig gut schmeckt: Dennree Frische Vollmilch (3,8%), nicht homogenisiert. Sie kostet 99 Cent, billiger also als die Weihenstephan-ESL-Milch bei Rewe, die dort 1,19 Euro kostet, der gleiche Preis wie die Biomilch von Plus. Einziger Wermutstropfen:  Sie stammt aus dem Alpenvorland - ein viel zu weiter Transportweg. Auch die im Bioladen ebenfalls erhältliche Dennree Demeter Frische Vollmilch stammt aus der Berchtesgadener Molkerei. Sie ist auch nicht homogenisiert und kostet 1,09 Euro.

008929

Billiger als im
Supermarkt (99 Cent):
Pasteurisiert,
nicht homogenisiert,
Vollfett

Nur noch ein einziger Laden in Marl, der frische Milch anbietet?

Nicht ganz:

Rewe-Läden in Marl boten in den ersten 3 Quartalen des Jahres 2009 noch Milch in 0,5-Liter-Plastikflaschen zum Literpreis von 1,30 Euro an, neuerdings gibt es auch wieder die Biomilch, die traditionell hergestellt wurde (Kontrolliert habe ich das nur im Laden an der Breddenkampstraße). Auf meinen Brief hin hat Herr Koehne reagiert und der Verbrauchertäuschung ein Ende gesetzt: REWE in Marl kennzeichnet die Milch im Regal mit Angabe des Verfahrens. Danke!

Die Biomilch ist leider sehr häufig nur in der Magerversion vorrätig - das Fach für die Bio-Vollmilch ist häufig leer.

Es gab und gibt aber einen Bauern, der mit dem Wagen herumfährt und unpasteurisierte, nicht homogenisierte  Frischmilch (Rohmilch) anbietet: Norbert Elsner, Landwirtschaftlicher Frischdienst, Uhlenstegge 28, 46325 Borken, ( 02862 1298. Diese Milch ist nur ca. 2 Tage haltbar und schmeckt super. Säuglingen und Kleinkindern sollte man sie aber nicht geben.

Was tun, wenn Frischmilch nicht mehr zu bekommen ist?

Ich wollte sie wiederhaben.

Also bin ich im Januar 2009 in meinen Rewe-Laden, habe nachgefragt und zur Antwort bekommen: Frische Milch könne man mir nicht mehr besorgen. Sie hätten nur noch die länger haltbare.

Was tun? Im Laden meckern reicht nicht - also Briefe schreiben und die Briefe hier veröffentlichen.

So gibt es einen Briefwechsel mit Rewe.

Einen Briefwechsel mit der Zeitschrift Ökotest.

Und einen Briefwechsel mit Onkel Max von der Marler Zeitung.

Von der Verbraucherberatung Marl gab es keine Antwort.

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Briefwechsel mit Rewe

008927

Kaufland - nicht
gekennzeichnete
ESL-Milch

Brief an Rewe West, 13.1.2009

Eigentlich will ich weiterhin beim nahe liegenden Rewe in der Breddenkampstraße einkaufen, zumal ich dort auch frischen Fisch und frisches Fleisch bekomme. Zuerst habe ich also einen Brief per Kontaktformular an Rewe West geschrieben:

Sehr geehrte Damen/Herren,
seit einigen Wochen gibt es in meinem REWE-Markt keine frische Milch mehr. Es gibt nur noch die unter frische Milch verkaufte, auf über 120° erhitzte, länger haltbare Milch mit deutlichem Kochgeschmack und Vitaminverlust.
Seit gut 8 Jahren kaufen meine Familie und ich die meisten Lebensmittel bei REWE ein. Das wird in Zukunft nicht mehr möglich sein. Da wir ja die Milch woanders kaufen müssen, werden wir auch die anderen Dinge wohl nicht mehr bei Ihnen kaufen.

Den Text dieses Briefes habe ich auf meiner Website (www.schmeckt.de) veröffentlicht.

Freundlicher Gruß,
noch mit der Hoffnung auf Abhilfe
Ihr
Dietmar Thesing

 

Auf diesen Brief gab es und gibt es keine Antwort.

Brief an die Koehne GmbH & Co.

Rewe-West lässt sich Zeit. Der schriftliche Brief (Eine Emailadresse der  Koehne GmbH & Co. ließ sich per Internet nicht herausfinden) wurde am 16.1. abgeschickt:

Sehr geehrte Damen/Herren,
seit einiger Zeit gibt es in Ihrem Geschäft keine frische Milch mehr. Es gibt wohl noch Milch, wo frische Milch draufsteht. Aber das ist Verbrauchertäuschung. Die „länger frische“ ESL-Milch ist auf bis zu 127° erhitzt und wird damit nicht so schnell schlecht. Das ist auch nicht nötig – sie schmeckt ja von vorneherein schlecht.

008933

Traditionell
pasteurisiert
Halbliter-Flasche

Traditionelle mit 72° pasteurisierte Frischmilch wird nach spätestens 7 Tagen schlecht, wenn sie mit Tiefenfiltration behandelt wurde, nach 10 Tagen.

Nach Auskunft in Ihrem Laden kann ich bei Ihnen keine frische Milch mehr bekommen. Die Bio-Milch ist auch seit längerer Zeit aus Ihrem Angebot verschwunden.

Seit 8 Jahren kaufen meine Familie und ich Lebensmittel fast ausschließlich bei Ihnen ein und verteidigen Ihren Laden in der Breddenkampstraße häufig gegen den Vorwurf, er sei zu teuer.

Schade eigentlich. Müssen wir jetzt zum Boykott aufrufen?

Wir bitten Sie herzlich darum, Ihre Entscheidung, Frischmilch aus den Regalen zu verbannen, noch einmal zu überdenken. Als Verbraucher wollen wir doch lieber selbst wählen können, ob wir Frischmilch oder ESL-Milch kaufen.

Weil es in Marl schwierig geworden ist, frische Milch zu bekommen, habe ich mich unter anderem an Onkel Max von der Marler Zeitung gewandt.

Den aktuellen Stand meiner Frischmilch-Suche und weitere Informationen zu ESL- und Frischmilch können Sie auf meiner Website finden:

www.schmeckt.de/htm/Diskussion/Zutaten.htm

Freundlicher Gruß
(Dietmar Thesing)

Antwort vom 21.01.2009

Schriftlich erreichte mich dann am 22.1.2009 dieser Brief - (kursiv):

Sehr geehrter Herr Thesing,

vielen Dank für Ihre Anfrage hinsichtlich der Haltbarkeitsverfahren der Frischmilch.

Die Herstellung von "länger frische" ESL-Milch kann mit zwei unterschiedlichen Verarbeitungsmethoden erreicht werden.
In einem Verfahren wird die Milch kurzzeitig bis auf 127° erhitzt. Durch die Teilweise Karamellisierung des Milchzuckers bei dieser hohen Temperatur schmeckt diese Milch entsprechend "süßlicher".
In einem komplett anderen Verfahren wird die längere Haltbarkeit durch Mikrofiltration erreicht. Dadurch werden mehr Keime als bisher von der Rohmilch getrennt. Im weiteren Prozess wird diese Milch traditionell pasteurisiert.

008937

Frischmilch,
pasteurisiert,
homogenisiert
1,09 €

Die Verbraucherzentrale NRW schreibt zu dem Haltbarkeitsverfahren mittels Mikrofiltration:
"Der frische Milchgeschmack und sämtliche Nährstoffe bleiben erhalten."

Die längere Haltbarkeit wird bei unserer Bubi-Milch durch diese Mikrofiltration erreicht. Dennoch muss man durchaus sagen, dass das lange Haltbarkeitsdatum hinsichtlich des Vitamingehaltes ihre Tücken hat. Durch die längere Haltbarkeit der Milch wird keine längere Haltbarkeit der Vitamine erreicht. So dass, wenn der Konsum der ESL-MIlch bis zum Ende des Haltbarkeitsdatums hinausgezögert wird, nur noch ein Bruchteil der ursprünglichen Vitamine vorhanden sind. In den nächsten Tagen werden wir eine Studie der Firma "Humana" hinsichtlich diesem Thema erhalten, und Ihnen gerne weiterleiten.

Traditionell pasteurisiert werden die REWE Bio-Frischmilch und die Bubi MIlch in der 0,5 l Plastikflasche. Diese Artikel erhalten Sie in unserem Geschäft auf der Breddenkampstr. in allen unseren Filialen führen wir weiterhin wenigstens die REWE Bio-Milch.

Zum jetzigen Zeitpunkt können wir leider weder ökonomisch noch ökologisch die zusätzliche täglich(e) Belieferung mittels eines weiteren Lieferanten für einen Frischmilchartikel befürworten.

Gleichwohl möchten wir Ihre Schreiben als Anlass nehmen, und kurzfristig die Deklaration an unseren Regalen dahingehend verbessern, dass wir darauf hinweisen, welche Haltbarkeitsverfahren bei der Frisch-Milch angewendet worden sind.

Mit freundlichen Grüßen

(handschriftliche Unterschrift)

Andreas Koehne

Anlage: Information der Verbraucherzentrale Westfalen

Schriftlich beigefügt war der Text ESL-Milch verdrängt herkömmliche Frischmilch aus dem Kühlregal der Verbraucherzentrale NRW.

Erst einmal erfreulich: Im Gegensatz zu Rewe-West hat Herr Koene ziemlich sofort geantwortet - trotz des längeren Postwegs.

Meines Erachtens bleibt der zitierte "frische" Geschmack eben nicht erhalten, auch nicht bei der nur tiefenfiltrierten Milch von Bubi. Ich kann auch nicht entdecken, dass die hocherhitzte (127°) Milch "süßlicher" schmeckt. Von den vielen jetzt von mir probierten Milchsorten fand ich die Milch aus dem Bioladen am süßesten und rundesten im Geschmack. Die H-Milch schmeckt für mich durch den karamellisierten Milchzucker eher plastikähnlich.

Im Blick auf den Geschmack bin ich gespannt, ob Ökotest demnächst mal einen Milchtest machen wird. Für das Schmecken (die Sensorik-Prüfung) gibt es ja eigens geschulte Fachleute, mein Geschmack ist da zugegebenermaßen subjektiv. Allerdings teste ich den Milchgeschmack nicht nur direkt, sondern auch zusammen mit schwarzem, 2 Minuten gezogenen Tee zusammen, knapp 4/5 Tee, 1/5 Milch.

008938

Gekennzeichnete
ESL-Milch,
hocherhitzt.

Am 3.2.2009 (ich habe nicht jeden Tag nachgesehen) konnte ich feststellen, dass die Milch durchweg mit einem Hinweis auf das Herstellungsverfahren gekennzeichnet worden ist. Die Biomilch war schon mindestens eine Woche früher wieder im Regal zu finden. Wirklich erfreulich - wir Verbraucher können doch noch was erreichen.

Ob aber die "zusätzliche" (das müsste doch nicht unbedingt so sein?) tägliche Belieferung ökologisch sinnvoller sein könnte, ist für mich noch nicht ausgemacht. Auch das kann ein einfacher Verbraucher und Kunde kaum selbst entscheiden. Das hängt ja auch von den Transportwegen ab. Meinen Verdacht dazu finden Sie unten.

Dennoch gebührt der Koehne GmbH Dank - den ich auch per Mail ausgesprochen habe:

Sehr geehrter Herr Koehne,

ich danke Ihnen herzlich für die ausführliche Antwort auf meine Anfrage bezüglich der Frischmilch. Es hat mich besonders gefreut, dass Sie darin auch die "Tücken" der länger haltbaren Milch nicht verschwiegen haben.

Ganz besonders danke ich dafür, dass Sie die Milch in den Regalen nun kennzeichnen, auch nach den verschiedenen Verfahren, und damit dazu Ihren Teil dazu beitragen, dass die Verbraucher nicht getäuscht, sondern informiert werden.

Schade finde ich immer noch, dass Sie keine preiswerte Frischmilch anbieten.

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Briefwechsel mit der Zeitschrift Ökotest

Email an Ökotest

Der Schmu mit der Milch ist ja nicht nur ein Marler Problem. Deshalb folgende Mail (15.01.2009) an die Zeitschrift Ökotest:

Sehr geehrter Herr Stellpflug, sehr geehrte Damen/Herren,

ich wünsche mir einen ausführlichen Artikel über ESL-Milch, wie und wo man noch frische Milch bekommen kann usw.

Besonders wichtig wäre mir ein Geschmacksvergleich zwischen den ESL-Produktuen, aber auch zwischen Frischmilch und ESL-Milch.

...

Ich bitte Sie herzlich darum, mindestens den Eingang dieser Email zu bestätigen. Über eine kurze Antwort würde ich mich sehr freuen.

Freundlicher Gruß
Dietmar Thesing

Eine erste Antwort kam schon am nächsten Morgen:

Sehr geehrter Herr Thesing,
vielen Dank für Ihren Testvorschlag. Ich habe Ihre Email, als Testanregung, an das zuständige Ressort unserer Redaktion weitergeleitet. Hier ein paar allgemeine Informationen zum Thema ESL-Milch:

Normalerweise ist frische Milch, die pasteurisiert wird, gekühlt etwa 8 Tage haltbar. Mittlerweile gibt es aber im Handel die so genannte hocherhitzte Milch. Sie zählt zur ESL-Milch: ESL steht für "Extended Shelf Life" ("längere Haltbarkeit"). Diese Milch schmeckt wie pasteurisiert, hat ähnlich viele Nährstoffe, hält aber rund drei Wochen. Dafür wird die Milch einige Sekunden auf bis zu 127 Grad erhitzt. Die "ESL-Milch" muss ebenso wie pasteurisierte Milch im Kühlschrank aufbewahrt werden. Die längere Haltbarkeit wird durch die Kombination verschiedener Erhitzungs- und Abfüllverfahren, die zwischen der üblichen Pasteurisation und der Ultrahocherhitzung liegen, erreicht. Bei der Herstellung der ESL-Milch werden hauptsächlich zwei Verfahren angewandt:

* Die Fallstromerhitzung auch VTIS Verfahren genannt: Die Milch wird langsam auf ca. 80°C erwärmt und anschließend für etwa 10-15 Sekunden mit Hilfe von Dampf auf 127°C erhitzt. Danach wird sie sofort auf unter 90°C abgekühlt. Durch die hohe Temperatur sterben auch die Keime, die für den Milchverderb verantwortlich sind. Dieses Verfahren kann durch den Aufdruck "hocherhitzt" kenntlich gemacht werden.

* Das Mikrofiltrationsverfahren: Zuerst wird der Rahm von der Milch abgetrennt und erhitzt und damit keimfrei gemacht. Die entrahmte Milch läuft durch Filter, dadurch werden unerwünschte Mikroorganismen abgetrennt. Anschließend wird sie pasteurisiert. Nun wird der Rahm der mageren Mich wieder zugesetzt und zwar je nach gewünschter Fettgehaltsstufe.

008928

Frischgold.
Nicht
gekennzeichnete
ESL-Milch.

Optimalerweise ist die "ESL-Milch" als "hocherhitzt" gekennzeichnet, was allerdings noch nicht immer der Fall ist. Beworben wird die Milch aber auch mit Aufdrucken "wie länger frisch", "maxifrisch" oder "extra langer Frischegenuss". Durch das Erhitzen gehen bei der längerfrischen und der pasteurisierten Milch höchstens zehn Prozent der hitzeempfindlichen Vitamine verloren. Der Vitamin-Verlust nimmt jedoch durch eine lange Lagerung weiter zu. Mineralstoffe wie Calcium bleiben erhalten. Auch der Gehalt an Fetten ändert sich durch die Erhitzung nicht. Die Milchproteine werden durch die Erhitzung in ihrer räumlichen Struktur verändert, am Nährwert und an der biologischen Wertigkeit ändert sich dadurch jedoch nichts. Einige Verbraucher haben einen, besonders zum Ende der Haltbarkeit, "Kochgeschmack" festgestellt.

Ich würde mich freuen, wenn ich Ihnen mit diesen Hinweisen ein wenig weiterhelfen konnte und stehe für weitere Fragen gerne zur Verfügung. ...

Mit freundlichen Grüßen
Claudia Hasselberg

Redaktionsassistentin
redaktion@oekotest.de

ÖKO-TEST Verlag GmbH
Kasseler Straße 1a
60486 Frankfurt am Main

Amtsgericht Frankfurt
HRB 25133
Geschäftsführer: Jürgen Stellpflug

Ökotest - Artikel: Marktcheck. Wo gibt es noch frische Milch?

In der Ökotest 06/2009 vom Juni 2009, Seiten 30-33, steht jetzt obiger Artikel. Er bestätigt: Die Discounter haben sich komplett von Frischmilch verabschiedet. Frische Biomilch gibt es auch nur noch in wenigen Supermarktketten. Eigentlich skandalös, finde ich.

Leider bin ich mit dem Artikel nicht so ganz zufrieden. Deshalb:

Leserbrief 7.6.2009 an Ökotest

Sehr geehrte Frau Hinsch,

schön, dass Sie sich des Themas angenommen haben. Weniger schön: Die Angaben sind nicht korrekt. Ein Beispiel: Angeblich gibt es frische Ja-Milch von Rewe in allen Filialen. Das ist falsch. In Marl gibt es nur REWE-Milch, die ist aber "länger frisch", also ESL-Milch. Auch die in Region West angeblich erhältliche Tuffi-Milch ist nicht erhältlich.
Als Frischmilch gibt es neben der Biomilch nur Bubi in der teuren 0,5-Liter-Plastikflasche. Auch die Landliebe-Glasflasche ist meines Wissens ESL-Milch - nur nicht gekennzeichnet. Logisch, dass der Marktanteil frischer Milch immer geringer wird - sie ist eben nur noch sehr selten erhältlich.

Wünschen würde ich mir endlich einen Geschmackstest - auch die mir zugängliche mikrofiltrierte Milch (z.B. Tuffi) weist m.E. einen deutlichen, kartonartigen Kochgeschmack auf.

Freundlicher Gruß
Dietmar Thesing


Westfalenstr. 88
45770 Marl
02365 3837781

Antwort von Ökotest, 9.6.2009

Die Antwort bestätigt die Vermutung, dass da nur die Anbieter gefragt wurden,  die aber entweder nicht wissen, was in ihren Märkten angeboten wird, oder sogar falsche Antworten gegeben haben:

Sehr geehrter Herr Thesing,
vielen Dank für Ihren Hinweis. Leider war es uns nicht möglich, die
Angaben der jeweiligen Anbieter zu überprüfen. Evtl. lohnt es sich, in
den Läden nachzufragen oder bei den Anbietern selbst, deren Adressen Sie
unter www.oekotest.de finden.

Ein Geschmackstest ist sicherlich eine gute Idee.

Mit freundlichen Grüßen
Birgit Hinsch

Milchtest in der September-Ausgabe der Zeitschrift Ökotest

In diesem Test mit 20 Biomilchprodukten und 12 konventionellen wird dann Geruch und  Geschmack ebenfalls bewertet. Nur wenige Produkte, bei denen es keine sensorischen Beanstandungen gab - dabei waren sowohl ESL-Milch als auch konventionelle Frischmilch.

Schade, dass die Behandlungsverfahren im Test nicht benannt wurde. Ich hätte gerne Geschmackstest und Verfahren miteinander verglichen - es könnte ja sein, dass die vielen Kennzeichnungen als leicht kochig, oxidiert, leicht nach Verpackung, Lichtgeschmack damit in einem Zusammenhang stehen.

Erfreulich wiederum, dass das Verbrauchermagazin die falsche Auskunft des Handels aufdecken konnte: Im Gegensatz zur Auskunft des Handels sind Landliebe frische Vollmilch und Hamfelder Frische Vollmilch, regionale Frischmilch keine Frischmilch, sondern ESL-Milch. Ich erlaube mir aber darauf hinzuweisen, dass mein Rewe-Händler die Landliebe im Regal korrekt gekennzeichnet hat!

Allerdings versteigt sich das Magazin auch wieder zur Aussage "Milch enthält viel Calcium. Schon ein halber Liter täglich deckt die Hälfte des Bedarfs." Das mag sein. Dann deckt ein Glas gutes Mineralwasser den gesamten täglichen Bedarf. Aber Märchen leben gerne weiter ... und wenn sie nicht gestorben sind ...

 

Test

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Briefwechsel mit Onkel Max/Marler Zeitung

Brief an Onkel Max von der Marler Zeitung, 13.1.2009

Folgenden Brief habe ich dann auch noch an Onkel Max (onkelmax@medienhaus-bauer.de) geschickt:

Lieber Onkel Max,
seit einiger Zeit gibt es in meinem Rewe keine frische Milch mehr. Frische Milch wird nur auf gut 72° erhitzt und wird in ein paar Tagen schlecht. Es gibt wohl noch Milch, wo frische Milch draufsteht. Aber das ist wohl nicht ganz wahrheitsgemäß. Es gibt nämlich nur noch gekochte, d.h. auf über 120° erhitzte Milch. Die wird nicht so schnell schlecht. Dafür schmeckt sie von vorneherein schlecht. Die Vitamine gehen bei der hohen Temperatur auch kaputt. (H-Milch wird auf 135° erhitzt und schmeckt noch schlechter.) 

Der Laden hat mir gesagt, frische Milch hat er nicht mehr. Deshalb zwei Fragen: Wie bringe ich den Laden dazu, wieder frische Milch anzubieten? Wie bekomme ich heraus, wo ich frische Milch herbekomme? 

Herzlicher Gruß
Dietmar Thesing
thesing@schmeckt.de  

PS:
Ich habe mir erlaubt, die Frage auch auf meiner Website zu veröffentlichen:
http://www.schmeckt.de/htm/Diskussion/Zutaten.htm
Dort steht auch der Brief an Rewe.

Onkel Max hat noch am selben Tag erst mal Folgendes geantwortet:

Lieber Dietmar,
Deine Anfrage ist eingegangen und Du wirst auf jeden Fall von Onkel Max eine Antwort bekommen. Alle Fragen werden nach Eingangsdatum bearbeitet, aber je nach Aufwand können die Recherchen unterschiedlich lange Zeit in Anspruch nehmen - in der Regel etwa vier Wochen. Entweder hören wir auf den Onkel-Max-Seiten voneinander oder er meldet sich per Post bei Dir.
Bis dahin herzliche Grüße
Dein Onkel Max

Antwort in der Marler Zeitung

Am Mittwoch, 28.1.2009, steht die Antwort in der Marler Zeitung (S.34): Oben ein großes Bild von Milch trinkenden Kälber mit der fett gedruckten Bildunterschrift:

"Die Milch macht's"! Für Menschen ist Milch elementarer Baustein einer ausgewogenen Ernährung und auch Kälber gedeihen dank Milchdrinks prächtig. Früher wurde die Milch nach dem Melken so belassen, wie sie war. Doch schon nach kurzer Zeit vemehrten sich darin Bakterien und die Milch wurde sauer. Zudem verursachten bestimmte Bakterien häufig auch Krankheiten. Um das zu verhindern, werden heute alle Milchsorten - mit Ausnahme von Roh- und Vorzugsmilch - einer Wärmebehandlung unterzogen.

Darunter dann der Artikel:

Wo gibt es Frischmilch?
ESL-Milch macht sich in den Kühlregalen breit

?NEFFE DIETMAR T. fragt: Lieber Onkel Max, wo gibt es noch echte Frischmilch zu kaufen? Wie bringe ich meinen Supermarkt dazu, wieder echte Frischmilch anzubieten? Seit einiger Zeit gibt es dort nur noch Milch, die auf über 120 Grad erhitzt wurde, dabei die Vitamine verloren hat und schlecht schmeckt.

!Onkel Max antwortet: Diese "neue" Milch heißt ESL-Milch und gibt's schon seit einigen Jahren. Die Abkürzung ESL steht für "extended shelf life" und bedeutet so viel wie länger frische Milch. "Die ESL-Milch wird nicht gekocht, sondern mit einem neuartigen Verfahren über Wärmetauscher und indirekte Erhitzung ganz, ganz schonend auf 120 Grad erwärmt und dann ganz schnell wieder abgekühlt", erläutert Michael Brandl vom Milchindustrie-Verband in Berlin. "Außerdem wird ESL-Milch zum Teil durch ganz feine Mikrofilter gedrückt, die die Keime (welche den Verderb herbeiführen) herausfiltern."

Frischmilch wird während der Pasteurisierung in der Regel etwas 15-30 Sekunden auf Temperaturen zwischen 72 und 75° Celsius erhitzt. Im Unterschied zur Frischmilch, die gekühlt und ungeöffnet etwa zehn bis zwölf Tage gelagert werden kann, hält sich die länger frische Milch ungeöffnet im Kühlschrank 15 bis 25 Tage. Der Begriff "ESL" ist bislang gesetzlich nicht definiert, so dass auf Verpackungen und Flaschen verschiedene Bezeichnungen für ESL-Milch möglich sind, z.B. "länger frisch" oder "für extra langen Frischegenuss". "Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass die Inhaltsstoffe, also auch die Vitamine, bei der ESL-Milch genauso wie bei der klassischen Milch vorhanden sind", so Michael Brandl. "Deshalb ist die ESL-Milch der klassischen Milch faktisch gleichzusetzen." Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, lieber Dietmar. Viele Verbraucher seien seit einigen Jahren ganz stark auf die ESL-Milch umgestiegen, stellt der Milchindustrie-Verband fest und führt gestiegene Absatzzahlen an. 2/3 der deutschen Trinkmilch sei ohnehin H-Milch. Michael Brandl: "Die Molkereien produzieren das, was der Verbraucher will - wir bieten nach wie vor alle Milchsorten an. Was der Handel dann ins Kühlregal stellt, entscheidet der Verbraucher und nicht wir." Du kannst zum einen Deinen Wunsch nach klassischer Frischmilch in Deinem Supermarkt vorbringen, lieber Dietmar, oder eine andere Bezugsquelle ausfindig machen. Direkt beim Bauern gibt es unbehandelte, nicht erhitzte Rohmilch. Da sich in roher Milch Krankheitserreger befinden können, muss an der Abgabestelle der Hinweis "Rohmilch - vor dem Verzehr abkochen!" angebracht werden. Außerdem muss die Milch innerhalb eines Tages nach dem Melken verkauft werden.

Schade. Ich hatte mehr erwartet. Onkel Max hätte sich hier bereits besser informieren können, als beim einseitig ausgerichteten Milchindustrieverband: z.B. in diesem Artikel vom SWR.

ESL-Milch ist der klassischen Frischmilch eben nicht gleichzusetzen. Dass der Vitamingehalt gleich sei, ist schlicht falsch: Er ist direkt nach der Produktion gleich, danach verliert die Milch die Vitamine - genau in der länger frischen Zeit tritt ein starker Vitaminverlust auf.

Über Geschmack ließe sich nicht streiten - das empfinde ich fast als beleidigend. Was will Onkel Max mir damit sagen? Es gibt ausgebildete Sensoriker, es ist bereits festgestellt, dass viele (nicht nur ich) Verbraucher den deutlichen Kochgeschmack festgestellt haben. Insofern stimmt dieser unsägliche Satz sogar. Aber ich bin und bleibe der Meinung: Über Geschmack muss gestritten werden und es gibt so etwas wie einen guten und einen schlechten Geschmack. Geschmack kann man lernen und verlernen.

Milch sei ein elementarer Baustein einer ausgewogenen Ernährung - das ist ein Schlag ins Gesicht der Veganer, die sich ausgewogen ernähren - auch ohne Milch. Insbesondere Kuhmilch steht im Verdacht, eine Reihe von Krankheiten oder Beschwerden auszulösen. Viele Menschen, besonders Asiaten, können sie gar nicht vertragen.

Es ist auch nicht wirklich der Verbraucher, der entscheidet - wenn er nicht informiert, sondern betrogen wird und bei keinem Discounter mehr frische Milch angeboten wird, ist ja wohl klar, dass die Absatzzahlen für die ESL-Milch steigen!

In Österreich darf als frische Milch nur noch Milch angeboten werden, die nicht länger als 5 Tage haltbar ist. ESL-Milch darf nicht als Frischmilch bezeichnet werden.

 

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Email an die Verbraucherberatung Marl

Am 15.1. habe ich folgende Email an die Verbraucherzentrale Marl geschickt:

Betreff: ESL-Milch

Liebe VerbraucherschützerInnen,

ich habe länger gebraucht, um herauszubekommen, warum die Milch mir nicht mehr so richtig schmeckt. Erst ein Zeitungsartikel in der TAZ hat mich darauf gebracht:

Es ist gar keine Frischmilch mehr, die wird in Marl scheinbar nicht mehr angeboten. Noch habe ich jedenfalls keinen Laden finden können.Zum aktuellen Stand meiner Anfragen auch bei Onkel Max und Rewe:
http://www.schmeckt.de/htm/Diskussion/Zutaten.htm

Bisher gab es keine Antwort oder Stellungnahme.

 

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