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012_Wirsing Schmecken - eine Selbstverständlichkeit? Es scheint so.

Aber so einfach ist es nicht. Zum Glück nicht! Sonst wäre das Essen arg langweilig.

 

Über Geschmack kann man nicht streiten?

Nun, ich bin anderer Ansicht: Man muss über Geschmack streiten. Gemeint ist mit diesem Sprichwort wohl, dass Geschmack subjektiv sei. Das stimmt und stimmt nicht.

Sicher ist es subjektiv, ob Sie frische Korianderblätter mögen oder nicht. Ob Sie Milch mögen oder nicht, selbstverständlich ist das subjektiv. Ob aber Milch einen Kochgeschmack hat, oder kartonartig schmeckt, das können geübte oder speziell ausgebildete Menschen sehr wohl schmecken - das ist keine subjektive Geschmackssache. Ob Sie oder ich das schmecken - das ist natürlich wieder etwas Subjektives, aber auch schlichte Lernsache.

Ein Beispiel aus der Musik: Wenn jemand selbst nicht hören kann, ob er einen Ton zu hoch oder zu tief singt, findet er (oder sie) seinen Gesang vielleicht sogar sehr ansprechend. Das kann für Stimmfarbe, Ausdruck usw. durchaus zutreffen. Deshalb wird man dennoch sagen müssen, dass diese Person nicht singen kann - und das ist ein objektives Urteil. Die Frequenz (Tonhöhe) ist nämlich messbar. Jemand mit einem schlecht ausgebildeten Gehör wird das nicht merken, das ändert aber nichts an der Tatsache, dass derjenige nicht singen kann.

Was ist das?

Schmecken - ein Fest der Sinne

Schmecken ist nicht nur das, was mit der Zunge wahrgenommen wird (süß, sauer, salzig, bitter, umami, seifig). Zum Geschmackssinn (Gustatorik oder gustatorische Wahrnehmung, wer es gerne auf fremd hat) gehören auch das Riechen und der Tastsinn und das Wahrnehmen von Temperaturen.

Deshalb ist Schmecken Lernsache - Sinne können verkümmern, Wahrnehmungen können geschult werden.

Bei der Frage, ob uns etwas schmeckt oder nicht, spielen aber noch ganz andere Sinne hinein:

Die Augen essen mit. Die Ohren hören das Knacken, wenn etwas knusprig ist - oder die Stille, wenn etwas weich ist. Lippen und Zunge, sogar der Kiefer fühlen ob etwas hart, zäh, kross oder kremig ist. Das Gehirn sagt "oh toll" oder "igittigit".

Färben Sie mal gut schmeckenden Kartoffelbrei oder Blumenkohl anschließend mit blauer Lebensmittelfarbe. Schmeckt das wirklich noch?

Schmecken - eine kulturelle Angelegenheit

Warum gibt es in Asien Insekten, Rinderaugen, Spinnen, Maden "appetitlich" angeboten auf den Märkten? Warum isst man in Vietnam Hunde, warum ist das bei uns verboten? Warum finden wir Maden ekelig, obwohl sie eine sehr gute Eiweißversorgung darstellen und sehr gesund sind?

Schmecken ist eine kulturelle Angelegenheit. Auch insofern ist Schmecken gelernt - durch Erziehung und Umwelt.

Besonders in ländlichen Gegenden, aber nicht nur, gibt es genug Menschen, die ausschließlich ihre regionale Küche oder gar nur ihre familiäre Küche akzeptieren. "Wat de Bur nich kennt, dat fret he nich."

Wir haben aber heute das Glück, unterschiedlichste Gerichte aus den verschiedensten Ländern und Regionen zu kochen. Manchmal ist einem das gar nicht mehr bewusst. Spaghetti sind nicht deutsch, sondern italienisch. Reis ist gewiss nicht europäisch. Nur Dicke Bohnen sind deutsch - alle anderen Bohnen sind südamerikanisch.

Natürlich kann von den regionalen Küchen ebenfalls gelernt werden - die süddeutsche Küche kennt nicht nur Schupfnudeln und Spätzle, sondern schreckt auch vor der Verarbeitung Innereien nicht zurück.

Schmecken - eine Fremdsprache?

In Kindergärten muss inzwischen die Sprache zum Essen und Schmecken erst gelernt werden. Was ist Pudding? Für viele Kindergartenkinder in meiner Stadt im Ruhrgebiet alles, was in einem kleinen Plastikpöttchen daherkommt, egal ob tatsächlich Pudding, ob Joghurt oder Quarkspeise. Da werden Fotos gemacht, damit Kinder zunächst einmal lernen, überhaupt auszudrücken, was sie mögen und was nicht.